Vision

idea

„Stand on your own feet“

Auch Leprakranke können Visionen entwickeln! So habe ich es auf beeindruckende Weise erfahren, als ich mit achtzehn Jahren zum ersten Mal im Projekt „Little Flower“ im Norden Indiens lebte und arbeitete: “We want to prove that we can stand on our own feet, even if we have no feet!“ Das war ihre Vision!

In diesen Monaten im Jahr 1983 erlebte ich zum ersten Mal, welche Energien Menschen mobilisieren können, wenn sie sich zu einem gemeinsamen Traum zusammenfinden und in dieser Energie an der Verwirklichung ihrer Ziele arbeiten!

So hat sich vieles in den Jahren, die ich die Menschen in Little Flower begleite, mit Spenden unterstütze, mich in Europa zu ihrem Sprachrohr mache und Verbündete für diesen ihren Traum suche, verändert. Dieses „Auf den eigenen Füßen stehen, auch wenn sie gar keine Füße mehr haben“, ist die Basis, auf dem alles aufbaut, es ist wie ein Grundrhythmus im Projekt. Darauf aufbauend beinhaltet der Name „Litlle Flower“ eine wichtige Strategie des Projektleiters Bruder Christdas.

So erklärte er mir einmal:

„Die Krankheit Lepra hat nicht nur einen medizinischen Aspekt, sondern darüber hinaus erfasst Lepra alle Lebensaspekte eines Menschen:

  • Seine Gesundheit
  • Sein psychisches Gleichgewicht und seinen Selbstwert
  • Sein soziales, familiäres Leben, und damit seinen emotionalen Rückhalt
  • Seine wirtschaftliche und finanzielle Sicherheit und damit seine Existenz „

So müssen wir in der Therapie auch all diese Aspekte miteinschließen: es genügt nicht, Medikamente zu verteilen und ein Krankenhaus zu bauen.

Wir müssen diesen Menschen auch Arbeit geben, ein Dach über den Kopf und ihnen so eine Chance geben auf neue soziale Kontakte, auf neue Familiengründungen oder auch Rückführungen in die alten Dorfstrukturen und Familien,… was immer öfter gelingt.

Wir müssen sie vom sozialen Stigma befreien und sie die Erfahrung machen lassen, dass sie mit ihren verkrüppelten Händen trotzdem einen wertvollen, unvergleichbaren Beitrag in dieser Gesellschaft leisten können.

Für diese Idee stehen die Blütenblätter der „kleinen Blume“, die in ihrer Grundstruktur klein und überschaubar bleiben muss, deren Same aber im Laufe der Jahre in ganz Champaran/Bihar auf fruchtbaren Boden fiel, sodass viele Zweigstellen entstanden und ein fruchtbares Netzwerk, in dem Sunderpur das Zentrum darstellt.

Die Idee von Little Flower Österreich

Das dahinter liegende Konzept ist einfach und trotzdem oder vielleicht gerade deshalb ist es wohl die Glut, die in allen Herzen wohnt:

Praktisch alle Lebens- und Arbeitsbereiche wurden systematisch aus eigener Kraft und mit den eigenen Ressourcen und Fähigkeiten aufgebaut – sei es die Landwirtschaft, sei es die Milchwirtschaft, Viehzucht, das Schulprojekt, die Bauarbeiten im ganzen Dorf, das Krankenhaus, die Spinnerei und Weberei.

Die Mittel, die in zugekaufte Arbeitskräfte flossen, wurden immer so gering wie möglich gehalten, und ich erkenne darin eine wesentliche Idee von Heilung der Krankheit: so konnten die Menschen ihren verkümmerten Selbstwert, auch eine tiefe Wunde, die Lepra durch die Konsequenz der sozialen Ausgliederung

Claudia Vilanek

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