in Österreich

im Rahmen einer Fotoreportage im Lepradorf Little Flower in Sunderpur bei Raxaul/ Bihar im Norden Indiens an der Nepalesisch-Indischen Grenze am Dienstag, 17.02.2015

Mag. Claudia Vilanek

Mag. Claudia Vilanek

Geboren 1964 in Innsbruck

Psychologin und Trainerin, Beraterin und Coach in Salzburg, Mutter dreier Söhne, die sie auf ihren Reisen begleiteten, fährt seit ihrem ersten längeren Aufenthalt mit achtzehn Jahren (1983) immer wieder nach Little Flower und unterstützt das Projekt mit Spenden aus Österreich.

Sie wurde für ihr Engagement 1985 mit dem Eduard Wallnöfer Preis „für die mutigste Initiative zum Wohle unseres Landes“ und 1988 mit dem Bruno Kreisky Preis für Verdienste um die Menschenrechte ausgezeichnet. 2012 erhielt sie das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich und das Pro Caritate Verdienstzeichen des Landes Salzburg:

„Die Adresse in meiner Tasche war die von Mutter Teresa in Kalkutta, die Motivation meiner Reise, ein Stück meine Grenzen auszuleuchten und das Leben zu erforschen im Kontakt mit Menschen, denen all jenes fehlte, was mir so selbstverständlich war im Umfeld meiner Herkunft: Sicherheit, Sattheit, das Umgebensein von schönen, angenehmen Dingen. – Ich wollte wissen, was übrig bleibt, und nur das konnte es ja sein, was Leben wirklich ausmacht – was bleibt den Menschen in den Straßen Kalkuttas als Motivation, um weiterzuleben? Was also macht Leben letztlich aus?

Die Antwort ist einfach: über allem steht die Sehnsucht, in Beziehung zu sein. Das wurde mir in den Monaten, die ich dann in Sunderpur an der Grenze zwischen Indien und Nepal verbrachte, sehr klar:

In dieser kleinen Gemeinschaft entstellter Menschen fand ich Kraft und Lebensfreude trotz der Grausamkeit dieser Krankheit, weil die Menschen sich hier in einer Gemeinschaft einander zugewandt erlebten und die Erfahrung teilten, dass ihnen durch die Unterstützung von Bruder Christdas die Chance auf ein Leben jenseits von Demütigung und Diskriminierung möglich war.

Rückkehrend von diesem halben Jahr im Lepradorf Little Flower begann ich mein Psychologiestudium in Salzburg. Gleichzeitig versuchte ich einen Weg zu finden, diese Erfahrungen in mein Leben hier in Österreich zu integrieren – es war keine leichte Zeit für mich.Im Aufbau eines Vereins in Österreich, um Little Flower finanziell zu unterstützen durch Vorträge, Rundbriefe, Interviews, Artikel, weitere Reisen ins Projekt fand ich einen Weg, weiter mit den Menschen in Kontakt zu bleiben und sie in ihrer Entwicklung zu begleiten. Auch heute geht es noch darum, ihren Weg in die finanzielle Unabhängigkeit über die Produktion von Wildseide und die Entwicklung neuer Projekte zu unterstützen.

Wenn ich an Sunderpur/Little Flower denke, so sind die ersten Bilder niemals Bilder des Grauens, obwohl es genug davon gibt in diesem Dorf. Nein, es sind Bilder der Hoffnung und Zuversicht, wie viel möglich wird, wenn eine Handvoll Menschen sich nicht mehr als Opfer fühlen sondern aufbrechen, um Gestalter ihres Lebens, und sei es noch so ein Häuflein Leben nur, zu werden und der Kraft einer Vision folgen.
In meinem heutigen Beruf als Wirtschaftstrainerin und -coach denke ich oft an diese Menschen, weil sie mir das deutlichste und berührendste Beispiel sind, wie viel zu bewegen ist, wenn sich Menschen auf den Weg machen!

Mein Sohn Lukas (damals 10 Jahre alt) hat sich intensiv mit dem Leben im Dorf auseinandergesetzt und sich sein Leben in Sunderpur als Leprakranker vorgestellt: “Weißt du, was ich tun würde, wenn ich hier leben würde? Ich würde mir eine Rickshaw kaufen und jeden Tag die Leute zwischen Raxaul und Nepal hin und herbringen. Und wenn ich achtzehn bin, dann komm ich für ein halbes Jahr hierher, um hier zu arbeiten! Und dann, wenn ich zurückkomme, schreib ich allen Menschen, dass sie spenden sollen für Little Flower. Und du gibst mir die Adressen und sagst mir dann, wie du das immer gemacht hast!“

In der Buntheit meines Lebens neben heranwachsenden Kindern und Beruf bleibt es mir wichtig, die Menschen von Little Flower, die mich so wesentlich geprägt haben, all die Fragen, all das Suchen auf stunden- und tagelangen Reisen durch das weite Land Indiens, weiterzudenken, den Kindern und Jugendlichen, Studentinnen und Erwachsenen weiterzugeben und nie aufzuhören, das Leben in seiner Fülle und Verschiedenartigkeit zu belauschen!“

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