Reiseberichte

Zwei Wochen in Little Flower Februar 2015

Während die StudentInnen der Kunstuniversität Linz/basehabitat fünf Wochen Baupraxis in Little Flower verbrachten und damit den letzten Bauabschnitt des Projekts PHOOLNA, die Community Hall in Lehmziegel mit Bambuskonstruktion einleiteten, war ich selbst in Begleitung von drei Reisegefährten für in Summe zwei Wochen im Projekt.

Lepraforschungsprojekt zwischen den Extremen

Zwei SalzburgerInnen, Karl Koman und Simone Schöndorfer, erheben Daten für die weltweit größte klinische Anwendungsbeobachtung zu offenen, chronischen Wunden, in einer nordindischen Leprakolonie.

 „Why not?!“ („Warum nicht?!“) – lautet die oft gebrauchte, ‚indische’ Antwort auf private und berufliche Anfragen von Karl Koman und Simone Schöndorfer, die derzeit als Freiwillige in  Little Flower leben und arbeiten.

Auszeichnung Filippas Engel für Sebastian Vilanek und Iris Nöbauer

Kaum zurück aus Little Flower fuhren Sebastian und Iris nach Deutschland, um ihre Auszeichnung der Stiftung „Filippas Engel“ für ihre Projekt Phoolna in Little Flower entgegenzunehmen!

HERZLICHE GRATULATION euch beiden!

more news: www.filippas-engel.de, PreisträgerInnen 2014

Die StudentInnen sind zurück!

Diese Woche sind die StudentInnen zurückgekehrt aus Little Flower! Insgesamt haben sie drei bis vier Wochen dort gemeinsam auf der Baustelle gearbeitet und mit den 15 Arbeitern die erste Wohnung nun fertiggestellt! Die kann sich sehen lassen, und der Stolz ist allen anzusehen! Es scheint für ALLE eine wunderbare, arbeitsintensive Zeit

Ankunft in Little Flower am 28.August 2014

Es war ein wunderbarer Empfang mit vielen Blumen und Liedern, die uns die Kinder und Jugendlichen an jeder Hausecke vortrugen , die die ArbeiterInnen der Weberei in Begleitung der Dorfgemeinschaft für uns sangen! Sebastian, Lukas, Jasmin und ich kamen über Kathmandu/Nepal nach Little Flower, und gleich der erste Tag schon hatte viele Aufgaben für uns bereit: das Grabmahl von Bruder Christas besuchen – sie haben einen schönen Ort des Innehaltens in der Mitte des Compound geschaffen, die Baustelle besichtigen – was war ich neugierig! – mit Iris alle Details besprechen, eine erste Sitzung mit den Arbeitern dort – wie stolz waren sie auf ihre Arbeit! (und das mit Recht!) – rasch wenigstens einen Blick in die Weberei machen und das fröhliche Klappern der Webstühle und die strahlenden Gesichter wahrnehmen! Und dann: Bäume pflanzen! Ein ehrgeiziges Projekt in Little Flower: sie wollen eine große Bananenplantage züchten, aber auch viele andere Bäume, die bald das Dorf mit genügend Obst aus dem eigenen Garten versorgen! Und wir durften bei der Bepflanzung behilflich sein!

Claudia Vilanek

 

Review Baupraxis im Februar 2014

Ein Monat später… Wahnsinn wie schnell die Zeit vergeht“ Mir kommt es so vor als wäre ich gerade erst wieder gekommen, dabei ist es wirklich schon ein Monat her. Jetzt sind wir schon wieder am überlegen wann der nächste Zeitpunkt kommt zu dem wir hinunter fahren sollen. Obwohl es eigentlich klar ist: der Deal sagt, dass wir wieder kommen sobald die To-Do-Liste abgearbeitet ist.

Das Team und einige Gedankensplitter

In einer gemeinsamen Stunde haben die StudentInnen letzte Woche ihre Erkenntnisse, Eindrücke, ihre Gewinne und Highlights formuliert, all die großen und kleineren Juwelen, die sie von der Reise und dem Aufenthalt mitgenommen haben, hier einige Gedankensplitter dazu:

„Ich habe gelernt zu reden, ohne meinen Mund zu verwenden, ich bin tief eingetaucht in eine andere Kultur, es ist so schwer, das in Worte zu fassen.“

„Viele Fragen, die uns hier so beschäftigen, stellen sich dort nicht mehr. Das gibt zu denken.“

„Das intensive Miteinander… gemeinsames Arbeiten, gemeinsame Ausflüge, Abende, die Gruppendynamik, diese Verflechtung von Indien und Österreich, es war ein Erlebnis…“

„Ich konnte neue Freundschaften gewinnen, … und 99% Lächelanteil pro Tag!“

„Weg vom europäischen Luxus – einen Schritt zurücktreten, das tat gut!“

„Tolle Menschen kennenlernen und sich in ein Bauwerk bis ins letzte Detail hineindenken, das war eine tolle Erfahrung!“

„Sich woanders ganz und gar zu Hause fühlen – wonderful!“

„Warum ist Bambus bloß so ungerade?:-)“

„Mich hat die extreme Ehrlichkeit der Inder uns gegenüber beeindruckt!“

„Wir hatten eine tolle Gruppendynamik und einen super Zusammenhalt zwischen uns Studentinnen und den Arbeitern, die uns genre zu sich nach Hause eingeladen haben! Und wir wussten Fest zu feiern, die Firstfeier und unsere Abschlussfeier waren ein Hit, die Teerunden mit den Arbeitern am Abend vor dem Heimgehen extrem wichtig!“

„Ich schätze es besonders, so Erfahrung in humanitäre Arbeit bekommen zu haben, Indien jenseits von Touristenströmen, diese ganz andere Welt und dieses andere Denken erlebt zu haben, wir haben so viel miteinander gebaut, über die Konstruktion gesprochen, alle Probleme hinterfragt und so extrem viel gelernt!“

„So viel Gastfreundschaft und Herzlichkeit in so viel „Armut“

„… man braucht eigentlich nur sehr wenig, um glücklich zu sein!“

Die Entwicklung der Baustelle im Februar 2014

Hier nun Bilder von den Studentinnen und der Entwicklung der Baustelle in den vergangenen Wochen: die Bambuskonstruktion ist nun fertig, ausgelassen wurde die Firstfeier begangen! Die Innenausbau der ersten Wohnung (Böden..) ist in vollem Gange! Die Ziegeln, um den ersten Stock aufzusetzen, sind soweit produziert und getrocknet, dass die Arbeiter nun diese eigenständig aufbauen können! Anhand der ersten Wohnung können sie nun auch den Innenausbau der weiteren Wohnungen eigenständig weitermachen, so der Plan!

Magdalena berichtet von ihren Erfahrungen in Little Flower

Magdalena Hopfner war eine der Studentinnen, die nach Little Flower fuhr und dort fünf Wochen Baupraxis erlebte, so beschreibt sie ihre Erfahrungen:

„Eine Gruppe von StudentInnen fährt fünf Tage nach der stressigsten Zeit des Studierens nach Indien. Weg von Computer, Hektik, Terminstress und dem getriebenen Leben in Österreich. Und von der österreichischen Stadt ins indische Dorf.
Die Ankunft war gut und zugleich auch surreal… irgendwie. Wir,  jetzt fünf Wochen in Indien. Aber was war das Surreale daran? Das noch Nicht-Kennen der BewohnerInnen.

Man ist dort nicht auf Urlaub, sondern man wohnt dort. Durch die große Gruppe befand man sich in einem geschützten Rahmen… und alle vor Ort, haben sich auf uns vorbereitet und kümmerten sich von erster Sekunde an um uns. Und dann kam ganz schnell das Gefühl des Zuhause-Seins. So schnell wie selten zuvor und mit jedem Tag wurde es stärker. Das Surreale wurde zum Normalen, zum Vertrauten.

Leider kann man die wirklichen Emotionen nicht oder nur sehr schwer zu Papier bringen. Ich erinnere mich noch sehr gut an ein Statement von Otto über Little Flower und Indien ganz am Anfang meiner Zeit dort:
„Es stimmt alles und das Gegenteil!“

Er hat das einfach so dahingesagt und lange hab ichs nicht verstanden. Aber dieser Satz ist vielleicht die Emotion und die Stimmung, die die fünf Wochen, das Dorf und das Land am Besten beschreiben. In Momenten, wo du denkst, dass einfach alles passt und stimmt, funken harte Lebens- und Alltagsgeschichten und Seiten der Armut dazwischen. Und das wohl Schrägste daran ist, dass diese Menschen, die unsere Hilfe so brauchen, mir so viel gegeben haben, wie selten jemand zuvor… und damit meine ich keine materiellen Werte. Ich bin nach Indien gefahren, um zu helfen und jetzt fühle ich mich so, als hätte mir das Dorf mehr gegeben, als ich es unterstützen konnte. 

Bei der Abreise im Dorf sind mir das erste Mal in meinem Leben bei einem Abschied Tränen übers Gesicht gelaufen. Das drückt vermutlich meine Zeit in Sunderpur mit all seinen Menschen am Besten aus.“

VIELEN DANK, liebe Magdalena!

Mit den Kindern

Ich bin in dieses Dorf gekommen um mit den Kindern hier Zeit zu verbringen. Ich hatte absolut keine Ahnung was mich hier erwarten würde und so sprang ich mehr oder weniger einfach ins kalte Wasser und tauchte ein in die Welt der kleinen InderInnen und besuchte die Kinder in der Schule. 

Ihre anfängliche Schüchternheit wandelte sich sehr schnell, da sie dann wussten, dass ich keine strenge Lehrerin bin, sondern einfach eine didi (sister). Das bedeutete, dass die Mäuse Kirtag hatten!! Und 17 indische Mäuse sind nicht leicht zu handeln, vor allem wenn sie kein Englisch verstehen bzw. ich kein Hindi spreche. Da bin ich dann schon einmal an meine Grenzen gestoßen! Ich bin dann darauf gekommen, dass sie echt gerne English lernen, aber spielerisch. So ließ ich mir ein paar Spiele einfallen, malte picture cards , lernte ihnen englische Lieder usw. Das war richtig viel Arbeit, Zeit und eine echte Herausforderung. Am Abend verbrachte ich oft auch Zeit mit den etwas älteren Mädchen hier in diesem Dorf  und wir haben viel gesungen und auch gespielt.Ich habe den Kindern oft Papier und Stifte zur Verfügung gestellt – vor allem bunte Stifte- und sie malten die wunderschönsten Blumen oder Naturbilder. Diese Kinder hier haben eine sehr quirlige Natur, sind immer sehr aktiv und wenn sie dir ins Gesicht lächeln könnte man meinen, dass sie Engel höchst persönlich sind. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn man sie dann auf dem Spielfeld beobachtet, wie sie sich unter Beweis stellen und wo man dann genau weiß wer hier die Spielregeln aufstellt. Und da wurde mir schnell klar, dass diese Kinder hier sehr genau wissen was sie wollen und auch danach handeln. Also versuche ich ihre Begeisterung zu entfachen, egal ob für Englisch, Musik, Zeichnen, Gesundheit  oder wie gehe ich mit meinen Mitmenschen um! Und vielleicht nimmt sich ja das eine oder andere Kind einen Funken davon mit.

Was ich mir mitnehme? Eine unbeschreibliche Dankbarkeit die ich erfahren durfte und ihre fröhliche und freudige Natur, obwohl ihr zu Hause hier in Indien alles andere als luxuriös ist.

Namaste, Christina

Die Jungs von Little Flower

Ich möchte ein paar Geschichten erzählen die mir am Herzen liegen, meine Erfahrungen mit den Kindern im Dorf teilen. Ich bewundere sie unglaublich und ihre Lebensfreude ist ein Funken der überspringen muss.

Ein paar Kinder habe ich besser kennengelernt. Ein paar Burschen – Nassim, Ramjan, Dinesh und Jitu – sind immer bei uns und helfen uns, holen uns Sachen und kümmern sich um uns. Von denen kenn ich die Geschichte ein bisschen besser. Ramjan beispielsweise ist 14 Jahre alt und laut Kabita war er bevor wir gekommen sind einer der schlimmsten Jungs aus dem Dorf. Anfangs sprach er kein Wort Englisch mittlerweile ist er in den Grundbedürfnissen fließend. Ich finde das total beeindruckend. Wir waren bei seiner Familie eingeladen weil die Zwillinge, Sikender und Sandu (oder so ähnlich) seiner Schwester Geburtstag hatten. Sie ist 21 und ihre Kinder sind grad 5 geworden. Sie hat noch einen Sohn, Allahdin. Ramjan hat vier Schwestern. Sie wohnen alle bei den Eltern. Also 10 Leute wohnen in zwei Zimmern auf ca 30m^2. Wobei die Eltern einen Raum haben der ungefähr 10m^2 groß ist. Die Kinder haben im anderen Raum zwei Betten, ein kleines für Ramjan und ein großes für alle anderen und dann wohnen da auch noch die vier Ziegen der Familie. Im Sommer schlafen sie draußen, weil’s drinnen zu heiß wird.

Außerdem gibt’s da noch Badal. Das ist der Sohn von der Schwester von Kamal, einer unserer Arbeiter. Ich glaube er ist fünf Jahre alt und wahnsinnig aufgeweckt. Er spricht schon ein paar Fetzen Englisch aber wenn er was nicht weiß redet er munter auf Hindi weiter mit der vollen Überzeugung man müsste ihn ja verstehen. Wenn man das nicht tut ist er zuerst ganz verwundert, aber dann versucht er sich mit Händen und Füßen zu verständigen. Er ist ein kleiner Klettermax und klettert überall hinauf wo man sich nur vorstellen kann. Er ist der Boss einer kleinen Bande von Burschen die immer wieder durchs Dorf flitzen und alles auf den Kopf stellen. Seine Energie ist beeindruckend und sein Lächeln lässt einem das Herz aufgehen.

Ich habe begonnen nach der Arbeit mit den Jungs aus dem Dorf Volleyball zu spielen. Es ist sehr lehrreich und man bekommt einiges mit. Ich hab das Gefühl, wenn man Zeit mit ihnen verbringt und ihnen Respekt zeigt bewirkt das einiges. Sie freuen sich immer total wenn ich komme und wenn ich mal nicht um viertel nach vier da bin kommt schon jemand um nach mir zu fragen, wo ich denn bleib und ob ich heute leicht nicht spielen komm. Ihnen Wertschätzung entgegen zu bringen und sie zu loben wenn sie einen guten Spielzug gemacht haben.

Ich mag alle von ihnen mittlerweile echt gern und ich glaub sie werd ich am meisten von allen aus dem Dorf vermissen. Wassim, Nassims Bruder der immer so ernst schaut, Nassim selbst der immer alles halbernst kommentieren muss und den Macho spielt, Shiv den besten Volleyballspieler, Abdul den Drummer, Akash der unser bester Arbeiter auf der Baustelle und so unglaublich wissbegierig ist, Ashish der schüchterne große Junge, der wenn er tanzt aufgeht und eine Show abliefert dass es kaum zu glauben ist und dann ist da noch Rohit, er hat mir erzählt dass er Fotograf werden will, und war total glücklich als ich ihm meine Kamera geborgt habe und er Fotos machen durfte, die wirklich gut geworden sind, außerdem ist er total fürsorglich und zuvorkommend – bei ihm und seiner Familie, Eltern und Schwester bin ich schon oft zu Tee und Biskuits eingeladen worden.

Es gibt noch viele, viele mehr so viele Geschichten zu erzählen und so viele Kinder zu unterstützen. Und natürlich gibt’s da noch die ganzen Mädchen von denen ich noch nicht gesprochen habe. Ich wünsche ihnen allen nur das Beste und ich hoffe, dass sie alle ihren Weg machen werden!

Patienten und ihre Wunden

Wir wollen es ja nicht sehen, sind froh, wenn der Verband alles verhüllt. Wenn wir aber über Lepra sprechen, müssen wir uns auch mit dem Blick unter diesen Verband konfrontieren, um die Dimension des Leidens zu verstehen – ich muss es Ihnen zumuten!

Claudia Vilanek

 

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